Künstliche Intelligenz als Job-Killer?

Dr. Vivienne Ming bezeichnet sich selbst als “theoretical and computational neuroscientist”. Sie war lange Jahre für weltweit führende Unternehmen in der künstlichen Intelligenz tätig und ist eine anerkannte Vordenkerin für die zukünftige Entwicklung der AI. Am Global Drucker Forum (GDF) 2017 hielt sie einen Vortrag über AI – für sie bedeutet das allerdings “augmented intelligence” und nicht „artificial intelligence“. Ihr Eintrittsstatement lautete: „If you are doing the same job you were doing a week ago, someone like me is going to automate it.” Damit hatte sie die Ängste vieler Entscheidungsträger im Raum am Nerv getroffen und die Aufmerksamkeit gewonnen: „Was bleibt dann noch für mich und meine Leute?“, fragt man sich unwillkürlich.

Schon am GDF 2014 befassten wir uns mit der Frage wie man komplexe und chaotische Probleme lösen kann und Charles Handy propagierte „Explore the unknown!“ Für uns Menschen bleiben also die Probleme die man nicht exakt in Worte fassen kann. Einfache und komplizierte Aufgabenstellungen können durch Algorithmen oder AI abgearbeitet werden. Damit eröffnet sich für den menschlichen Arbeiter des 21. Jahrhunderts ein spannendes Aktionsfeld: Die Entwicklung von ganzheitlichem Denken, Intuition oder des „Bauchgefühls“ als Antwort auf die Herausforderung AI.

Schon 2002 habe ich über die Grenzen der Digitalität nachgedacht und ausgehend von Platons „Dieses und nichts anderes ist der Ursprung der Philosophie, das Staunen“ versucht auszuloten was sich in der virtuellen Welt NICHT abbilden lässt. Der Augenblick des Staunens, wo „die Worte ausgehen“ eröffnet eine ganzheitliche Sicht auf die Welt, die eine Lösung komplexer und chaotische Aufgabenstellungen einfach möglich macht. Schon im Zuge dieser Diplomarbeit hat sich gezeigt, dass sich „nichts im Internet abspielt, sondern das Internet etwas vermitteln kann, was sich im Menschen abspielt.“

Das scheint mir auch noch heute für die Digitalisierung von „Intelligenz“ zu gelten: Nicht das was sich einfach durch Worte beschreiben lässt wird die Aufgabe des Menschen in Zusammenarbeit mit AI werden, sondern alles das, was sich nicht oder nur indirekt durch Worte beschreiben lässt. So könnte die Schulung von Intuition, Staunen oder Meditation eine Orientierung jenseits von beschreibbarem Denken bieten – ein weiter Raum, der AI Systemen auch bis auf weiteres verschlossen bleiben wird.

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